Gerade im Profi-Bereich ist das Thema zentral, denn wer Rasenwachstum zielgerichtet steuern will, muss wissen, wann die Pflanzen physiologisch aktiv sind und wann nicht. Temperatur beeinflusst nicht nur das sichtbare Wachstum, sondern auch die Leistungsfähigkeit des gesamten Rasensystems. Dass Rasen als belastbare, regelmäßig genutzte Vegetationsdecke verstanden werden muss, macht auch die Definition der Deutschen Rasengesellschaft deutlich.
Warum Temperatur so wichtig ist
Gräser wachsen nicht gleichmäßig über das ganze Jahr. Je nach Temperaturverlauf verändern sich Stoffwechselaktivität, Wurzelwachstum und oberirdischer Aufwuchs. Das bedeutet für die Praxis: Dieselbe Maßnahme kann im Frühjahr sehr wirksam sein, im kalten Spätwinter aber kaum Reaktion auslösen.
Deshalb gehört Temperatur zu den wichtigsten Steuergrößen für die Rasenentwicklung. Sie beeinflusst nicht nur das sichtbare Wachstum, sondern auch die Frage, wann Nährstoffe aufgenommen werden, wann Nachsaaten gelingen und wann sich Flächen regenerieren.
Keimtemperatur und Etablierung
Bei Neuansaaten und Nachsaaten ist die Keimtemperatur besonders wichtig. Erst wenn die Boden- und Lufttemperatur im passenden Bereich liegen, erfolgt eine gleichmäßige und zügige Keimung. Das ist nicht nur für die Anlage neuer Flächen wichtig, sondern auch für Regenerationsmaßnahmen im laufenden Bestand.
Wird zu früh gesät, bleiben Keimung und Auflauf oft ungleichmäßig. Wird zu spät gearbeitet, kann wertvolle Entwicklungszeit verloren gehen. Wer professionell plant, berücksichtigt daher immer die Temperaturbedingungen vor Ort. Stehen beispielsweise noch Frostnächte bevor, sollte das einberechnet werden. 16 – 22°C werden für gewöhnlich als optimale Tagestemperatur gesehen, während der Boden bei möglichst 10°C liegen sollte. Je nach Saatgutzusammensetzung können diese Werte leicht schwanken. Tetraploides Weidelgras (Lolium perenne) beispielsweise würde schon mit geringeren Werten eine gute Keimrate erreichen. Jedoch ist sie normalerweise nicht der einzige Mischungspartner.
Frühjahrsstart und Grünlandtemperatursumme
Im Frühjahr ist die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt besonders wichtig. Hier dient die Grünlandtemperatursumme als Orientierung, um den tatsächlichen Vegetationsbeginn besser einzuschätzen. Sie hilft dabei, Pflegemaßnahmen nicht nur nach Kalender, sondern nach Pflanzenaktivität zu terminieren.
Das ist vor allem dann von Bedeutung, wenn es darum geht, Gräser Wachstum im Frühling anregen zu wollen. Denn eine Maßnahme wirkt nur dann optimal, wenn die Pflanzen bereits ausreichend aktiv sind, um darauf zu reagieren. Da nützt aber nicht viel, wenn der Boden nicht optimal vorbereitet wurde: Lesen Sie dazu auch „Bodenverbesserung für besseres Gräser Wachstum“. Sobald die Grünlandtemperatursumme den Wert 200 erreicht hat, ist das wie ein Startschuss für die Vegetation. Ab diesem Zeitpunkt gehen Wachstum und Hunger los.
Wachstum von Rasengräsern im Jahresverlauf
Das Wachstum von Rasengräsern im Jahresverlauf ist eng an den Temperaturverlauf gekoppelt. Im Frühjahr steigt die Aktivität an, in den Sommermonaten können Hitze- und Trockenstress die Entwicklung bremsen, im Herbst folgen oft noch einmal günstige Wachstumsphasen. Daraus ergibt sich für die Pflege eine klare Konsequenz: Maßnahmen müssen an den Jahresverlauf angepasst werden. Gleichzeitig werden bereits die ersten Experimente mit Warm Season Grasses wie Bermudagras gestartet. Diese haben durch ihren deutlich anderen Wachstumsverlauf entsprechend unterschiedliche Bedürfnisse und benötigen über den Sommer mehr Nahrung, während sie im Winter schlicht in Dormanz verharren.
Gerade im professionellen Grün ist diese Abstimmung wichtig. Intensiv genutzte Flächen brauchen zu bestimmten Zeiten andere Impulse als extensive Standorte. Temperatur hilft dabei, diese Zeitfenster besser zu erkennen.
Temperatur und Nährstoffnutzung
Auch die Nährstoffversorgung hängt eng mit der Temperatur zusammen. Selbst gut verfügbare Nährstoffe helfen wenig, wenn die Pflanzen aufgrund niedriger Temperaturen noch kaum aktiv sind. Umgekehrt kann eine bedarfsgerechte Versorgung bei aktivem Wachstum gezielt die Rasenentwicklung fördern.
Deshalb gehören Temperatur und Düngung immer zusammen. Wer über die optimalen Nährstoffe für Rasenwachstum spricht, muss auch die Frage klären, wann diese Nährstoffe sinnvoll eingesetzt werden, damit die Pflanzen diese auch verwerten können.
Temperaturstress im Sommer
Nicht nur Kälte, auch hohe Temperaturen beeinflussen das Gräser Wachstum stark. In warmen und trockenen Phasen geraten viele Flächen unter Stress. Das Wachstum verlangsamt sich, die Regeneration nimmt ab und die Bestände werden empfindlicher gegenüber Nutzung und Pflegeeingriffen.
In solchen Phasen ist nicht schnelles Wachstum das Ziel, sondern Stabilität. Genau hier können Produkte wie DCM VITACT R als flüssiges Produkt und DCM VIVISOL in Minigran®-Form sinnvoll angewendet werden, wenn Vitalität und Stressstabilität unterstützt werden sollen. Durch die Wirkung als Biostimulanzien können die enthaltenen Mikroorganismen das Wurzelwerk vor Trockenheit schützen und mit wertvollen Stoffen versorgen. Zudem regen sie eine tiefe Einwurzelung an.
DCM-Produkte im Temperatur-Kontext
Für den Vegetationsbeginn und die Etablierungsphase ist DCM START besonders empfehlenswert, wo junge oder regenerierende Bestände früh unterstützt werden sollen. DCM VITAL-GREEN eignet sich als Begleitung aktiver Wachstumsphasen oder falls die Bodenanalyse im Frühjahr einen zu niedrigen Kaliumwert anzeigt. Ergänzend können DCM VITACT R und DCM VIVISOL in Stress- und Übergangsphasen sinnvoll in die Pflegemaßnahmen eingebunden werden.